| Rieve, Urbschat,
Wehrmann, „Master of Reality“
Installation
Exibition: 16.11. – 06.12.06
Die Künstler Patrick Rieve, Malte Urbschat
und Mark Wehrmann finden sich seit 2001 in regelmäßigen Abständen
zusammen, um neben der jeweils eigenständigen Kunstproduktion gemeinsame
Projekte zu realisieren. Thematisch kreisen diese Kollaborationen im
weitesten Sinne um Aspekte des High & Low sowie die Öffnung
des künstlerischen Schaffensprozesses für das Alltägliche.
In diesem Zusammenhang spielt die gemeinsame Sozialisierung als ehemalige
Fahrradkuriere, Skateboarder, BMX-Fahrer und Metal- bzw. Hardcore-Fans
eine ebenso große Rolle wie das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten
des Kunstbetriebs. So werden beipielsweise durch eine Eventindustrie
bedrohte Räume durch Paintball-Aktionen quasi „zurück
erobert“ (2002), die Bewegung der Fahrradkuriere in der Stadt
unter dem Blickwinkel der Erfassung von öffentlichem Raum beleuchtet
(2001 und 2003), fiktive Beiträge für MTV-Asia produziert
(2003) oder eine Seemannsmission auf ihre Funktion als temporäres
Zuhause und Ort fü
r das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen untersucht (2005).
Unter Verwendung eines Albumtitels der Metal Band „Black Sabbath“
von 1971 stellen Rieve / Urbschat / Wehrmann in der Galerie Oel-Früh
diesmal kein gemeinsames Projekt vor, sondern präsentieren unter
dem Oberbegriff Master of Reality Aspekte ihrer eigenständigen
künstlerischen Produktion.
Patrick Rieve zeigt einige seiner Arbeiten auf Papier, in denen sich
Einflüsse von Comic-, Splatter-, Krimi-, Typografie- und Architekturzeichnungen
vermischen. Ergänzt werden sie vom Schriftzug des Wortes „NUTS“,
dessen Wiedergabe sowohl den popkulturellen Bereich streift als auch
über die wortwörtliche Übersetzung als „verrückt“
auf einen Zustand anspielt, in dem Wahrnehmung von Realität aus
einem unüblichen, nämlich „ver-rückten“ Blickwinkel
aus gemeistert wird. Malte Urbschat dagegen realisiert eine ortspezifische
Installation, die eine im Kellerraum der Galerie befindliche Bodenplatte
in den Mittelpunkt stellt. In Anknüpfung an Projekte vergangener
Jahre, in denen die Bodenöffnung selbst entfernt, durch einen Frottage-Abdruck
auf Papier ersetzt und mit einem als Köder eingesetzten Polizei-Gummiknüppel
ergänzt wurde, birgt die Öffnung von Falle über Flucht
bis zur Observation verschiedene Möglichkeiten, Wirklichkeit gegenüber
zu treten. Und Mark Weh
rmann präsentiert Fotografien, die eine Gruppe von in Camouflage-Kleidung
gehüllte Personen dabei beobachtet, wie sie als spezielles Freizeitvergnügen,
Sandhügel und Matsch eines Waldgeländes mit dem privaten Jeep
durchpflügt. Natur wird hier zur archaischen und von Menschenhand
zerfurchten Ruine. Darüber hinaus erweitert Wehrmann die formale
Begrenztheit der Fotografie, indem er ihr objekthaften Charakter zugesteht.
Begleitet wird die Serie von einem Schweine-Video und einem Thrash-Metal-Auftritt
von Wehrmann am Eröffnungsabend. |